15. Juni 2008

Kakadu National Park

Am 10. Juni machten wir von Kathrine auf den Weg in den Kakadu Nationalpark, unser letzter Anlaufpunkt vor Darwin.
Wir verbrachten dort 3 Tage. Der Kakadu Nationalpark ist Australiens groesster Nationalpark, er nimmt die gleiche Flaeche ein wie gesamt Rheinland-Pfalz.
Der Kakadu Nationalpark wurde wegen seiner herausragenden natuerlichen und kulturellen Werte in die Liste der Weltkulturgueter aufgenommen. Neben dem Kakadu gesellen sich nur 20 andere Kulturgueter dazu, die sowohl kulturell als auch wegen der Natur geschuetzt werden. Zum einen enthaelt der Park einer der schoensten und umfangreichsten Sammlungen an Felsmalereien der Welt. Zum anderen ist die Landschaft sehr vielseitig, von wild rauhen Sandsteinflanken des Hochplateaus ueber die weitlaeufigen Waldgebiete bis hin zu den ausgedehnten Feuchtgebieten mit unzaehligen Tierarten. Eigentlich wurde das Land, auf dem sich der Nationalpark befindet an die Aborigines zurueckgegeben, die das Gebiet schon seit ueber 50.000 Jahren besiedeln. Jedoch wurde das Gebiet wieder an den Staat fuer 99 Jahre zurueckgeleast. Heute verwalten Aborigines und die Regierung der Park gemeinschaftlich (vgl. Uluru Nationalpark).
Die Vegetation ist sehr von den 2 Jahreszeiten (Regen- und Trockenzeit) gepraegt. Derzeit befinden wir uns in der Trockenzeit, d.h. der Wasserstand in Fluessen, Teichen und Feuchtgebieten nimmt stetig ab. Die gesamte Vegetation trocknet langsam aus. Dies ist fuer die Parkranger auch die Zeit fuer die grossen Buschfeuer. Fast im gesamten Park werden in der Trockenzeit Feuer gelegt, um die teils bis zu 3 m hohen Graeser abzubrennen. Man gibt damit wichtigen Pflanzen neuen Lebensraum. Ausserdem schuetzt man sich so gegen unkontrollierte und gefaehrliche Grossfeuer, die gegen Ende der Trockenzeit durch Blitze entstehen koennen. Den Baeumen schadet das Feuer nicht. Sie haben eine spezielle Schutzschicht. Die Aborigines haben dies uebrigens vor Jahrtausenden bereits praktiziert, ebenfalls um die Bedingungen beim Jagen zu verbessern. Fuer uns war es teilweise etwas beaengstigent sich zwischen all den Braenden und Rauchschwarden im Park zu bewegen. (Das war direkt an der Hauptstrasse)

Wir hatten im Park drei Anlaufstellen, die auch die wichtigsten Sehenswuerdigkeiten sind. Zuerst stand die Schoenheit der Natur auf dem Programm.
Den ersten Morgen starteten wir bei Sonnenaufgang mit einer Bootstour auf dem „Yellow Water“ Teich/ „East Alligator“ Fluss. Der East Alligator Fluss durchzieht den Kakadu und
ist gesaeumt von wunderschoenen Feuchtgebieten. Das groesste und bedeutendste ist der Yellow Water Billabong (Teich), Heimat zahlreicher Pflanzen und Tiere.
...dafuer steht man doch gerne so frueh auf....

Eine Bootstour bietet die besten Moeglichkeiten, die vielseitige Tierwelt des Parkes zu beobachten. Ein Drittel aller in Australien lebenden Vogeltierarten leben im Kakadu NP. So bekamen wir von kleinen „Kingfisher“ und Enten bis hin zu grossen Adlern und Stoerchen alles zu Gesicht. Es war ein richtig lebhafter Morgen.
Derzeit ist Paarungszeit, das heisst einige Voegel putzen sich heraus und warten auf ihre Chance....
...und andere sind schon fleissig am Nest bauen. Das greosste Nest ist das des "Jabiru" (Storch), uebrigens 1,50m breit und 1,50 m tief.
Andere Voegel haben haben schon ihren Nachwuchs. Wie dieser hier, er hat den Spitznamen „Jesus-Bird“. Es sieht aus, als wuerde er ueber das Wasser gehen koennen. Hier kuemmern sich die Vaeter um den Nachwuchs...sehr vorbildlich

Nicht nur die Tierwelt, sondern auch die gesamte Landschaft (Teich und Fluss) sind sehr sehenswert. Besonders im Morgengrauen, wenn alles erwacht, wirkt alles noch sehr friedlich und unberuehrt.

Doch der Schein truegte etwas. Denn diese grossen Burschen beherrschen den Fluss und patrolierten unser Boot ohne Scheu. Man spuert sofort, wer hier der Boss ist.

Die bis zu 7 m langen Salzwasserkrokodile sind besonders aggressiv. Selbst die sonst furchtlosen Australier haben ziemlich Respekt vor ihnen. Auch die Traumzeit-Geschichten der Aborigines warnen vor den gefaehrlichen Krokodilen.

Nach so viel Flora und Fauna gingen wir zum kulturellen Teil des Kakadu ueber.
Zwei der bedeutendsten Gebiete, um die Felsmalereien der Aborigines zu bewundern, sind der „Nourlangie Rock“...

...und der „Ubirr Rock“

Beides sind abgespaltene Felsen des Hochplateau, das sich durch den Kakadu zieht. Fuer die Aborigines stellten beide Felsen einen idealen Lebensraum. Sie boten Unterschlupf waehrend der Regenzeit, Schatten, eine natuerliche Klimaanlage (es weht immer eine angehme Brise) und von der Spitze des Felsen hatte man geniale Blicke ueber die gesamte Umgebung.

Eine Art 5-Sterne Unterkunft fuer die Aborigines.

Nebenbei gab es in der Umgebung genuegend Tiere zum Jagen sowie Fruechte zum Sammeln, denn selbst in der Trockenzeit steht immernoch genuegend Wasser zur Verfuegung. Die Aborigines hatten somit genuegend Zeit, sich anderen Dingen zu widmen, wie zum Beispiel den Felsmalereien. Die Malereien dienten verschiedenen Zwecken.

...Traumzeitgeschichten, die die Entstehung oder den Sinn verschiedener Dinge erlaeuterten. Das ist uebrigens der "Lightning Man" und seine Frau....

...Jagdszenen, unter anderem um den Fang zu dokumentieren...
(eine Kanguruh)
(der taegliche Fischfang)

...zur Erziehung von Heranwachsenden, vor allem um Regeln und Gesetze zu vermitteln...

Dieses Bild soll die Konsequenzen aufzeigen, wenn man gegen die Regeln verstoesst. Erkennt ihr es....nein....nicht schlimm. Auch uns viel es zu Beginn schwer die Bilder zu „lesen“, ohne die gesamte Geschichte zu kennen. Parkranger boten gluecklicherweise taeglich kostenlose Kurz-Fuehrungen an und erklaerten uns einige dieser Malereien.
Anhand der verwendeten Farben, des Zeichenstils und den dargestellten Motiven (vor allem Tiere) haben Wissenschaftler festgestellt, dass die Zeichnungen teilsweise ueber 50.000 Jahre alt sind. Faszinierend, wenn man bedenkt wie lange diese Kultur im Vergleich zu unserer bereits besteht. Umso schockierender ist, dass die „Weissen“ keine 200 Jahre gebraucht haben, um vieles davon zu zerstoeren.

Wir verbrachten drei sehr schoene und lehrreiche Tage im Nationalpark. Neben den unverkennbaren landschaftliche Reizen hat uns besonders der kulturelle Aspekt seht beeindruckt.
Kleiner Wehmutstropfen waren die Naechte. Zu den zahlreichen Tierarten gehoeren leider auch Millionen und nochmal Millionen von hungrigen Mosquitos, die sich bei Einbruch der Dunkelheit auf uns stuerzten.

Nach den anstrengenden Arbeitswochen und den Reisestrapazen der letzten zwei Wochen fliegen wir am Montag, 16. Juni fuer 2 Wochen in unseren wohlverdienten Urlaub. Last euch ueberraschen wo es uns hinverschlagen hat..... :-)))

13. Juni 2008

Von Alice Springs nach Darwin

Nach 5 Wochen Arbeiten verliessen wir am 1. Juni das Roadhouse und machten uns auf den Weg nach Norden in Richtung Darwin. Es standen ca. 1500 km auf dem Programm. Unsere Zwischenstopps waren Wycliffe Well, Devils Marbels, Daly Waters, Mataranka, Kathrine Gorge und der Kakadu Nationalpark.

Auf dem ersten Teil der Strecke gab es groesstenteils nicht viel zu sehen. Zu Beginn fuhren wir nur von Roadhouse (Tankstelle) zu Roadhouse.....eine laaaaaaaaaaaaaange eiiiiiiiinsame Fahrt. Um die vorbeifahrenden Touristen zu unterhalten, versuchen die Raststaetten ihnen eine Abwechslung zu bieten. In der Regel gibt es nur eine kleine Aborigines Kunstgalerie, eine Tankstelle und ein Pub mit Uebernachtungsmoeglichkeit. Zwei dieser Rastaetten haben sich jedoch was besonderes einfallen lassen und verdienen es erwaehnt zu werden. Die eine nennt sich die Ufohauptstadt Australien (Wycliffe Well), und ist entsprechend dekoriert.
Der „Ort“ schaffte es schon oefter in die australischen Nachrichten, da die Menschen in der Umgebung angeblich Ufo´s gesehen haben.Wir sahen leider keines. Vielleicht sieht man erst eines, wenn man nur lange genug hier gelebt hat und nach zu vielen Bierchen in den Himmel starrt.

Das andere Roadhouse (Daly Waters) hat aufgrund seines Pubs mittlerweile einen kleinen Kultstatus erreicht.
Backpacker, Tourbusse und einheimische Reisende tummeln sich in dem uralten Pub (Schanklizenz seit 1893) mit schraeger Abendunterhaltung von einem australischen Alleinunterhalter, der teilweise mit 2 Huehner auf dem Kopf ein Liedchen singt. Das ganze Pub ist dekoriert mit T-Shirts, Schuhen, Unterwaesche, Ausweisen, Autonummernschilder, Geldscheinen und alles was man als betrunkener Tourist zur Erinnerung gerne zuruecklaesst.
Vor lauter BH´s kann man die Theke fast nicht mehr erkennen...
Fuer uns war der Abend im Pub eher gemuetlicher, da die meisten Gaeste im Rentenalter waren. Trotzdem sehr sehenswert und ganz witzig.
Das erste richtige Highlight waren die Devils Marbles (oder auch Karlu Karlu genannt). Eine Ansammlung von erstaunlich runden Granitfelsen, die im Laufe von Jahrmillionen durch Wind und Wetter geformt wurden. Nun sieht es aus als haette der Osterhase ueberall ueberdimensionale Eier hingelegt. Faszinierend wie so etwas im Laufe der Jahre entstehen konnte.

Erstaunlich in welchen Positionen die Steine teilweise angeordnet sind. Bei einigen hat man das Gefuehl sie rollen gleich weg...

Abends sahen wir uns den herrlichen Sonnenuntergang an, dabei verfaerbte sich der Himmel in verschiedene blaue und lila Toene....

Richtig spektakulaer ist jedoch der Sonnenaufgang, wenn die rote Farbe der Felsen so richtig zur Geltung kommt. Ueberall liegen gluehend rote Kugeln...
:-))) ja das sind wir...

Ein sehr beeindruckendes Spektakel, bei dem wir natuerlich nicht alleine waren. Im Norden ist derzeit Hauptreisezeit und alle reisefreudigen Australier (meist Renter, die man hier gerne „Graue Normaden“ nennt) aus dem kalten Sueden machen sich auf den Weg nach Norden.

Auf unserem weiteren Weg nach Norden aenderte sich das Klima erhelblich, vom trockenen Wuestenklima mit sonnigen Tagen und kalten Naechten in Alice Springs zu dem tropischen heissen Klima im Norden. Mit jedem gefahrenen Kilometer konnten wir eine Veraenderung der Vegetation feststellen.Es wurde langsam immer gruener, die Baeume wurden groesser, das Gras wuchs immer hoeher...

Sogar die Fluesse fuehrten langsam ein bisschen Wasser. Gluecklicherweise wurden die Naechte immer waermer.
Kleiner negativer Punkt sind die Mosquitos, die uns (vor allem Alex) nach Einbruch der Dunkelheit das Leben mittlerweile nicht gerade einfach machen.
Vor ein paar Tagen (und 800 km weiter suedlich) standen wir noch in der Wueste und nun sind wir umgeben von Palmen...

Auffallend hier im Norden sind auch die bis 2-3m hohen Termitenhuegel, die teilweise wie ein Grabsteine auf einem Friedhof angeordnet sind.


In dem Dorf Mataranka machten wir einen Halt, um uns in den „Hot Springs“ (heissen Quellen) von den nun tropisch heissen Temperaturen „abzukuehlen“. Es gibt zwei Stellen im Ort an dem das 34 Grad warme Quellwasser aus der Erde sprudelt. Beide Quellen haben kristallklares Wasser und liegen sehr idyllisch inmitten tropischer Palmen.
Die Mataranka Springs, die touristische Variante, mit betoniertem Pool...

Die Bitter Springs waren dagegen richtig natuerlich...ein Traum, wenn ein Besucher vor uns nicht ein kleines Krokodil gesehen haette...

Unseren naechsten Halt machten wir in der „Kathrine Gorge“. Eine faszinierende Schlucht in der wir 2 Tage verbracht haben.

Am ersten Tag erkundeten wir die Schlucht mit einem Kanu. (Hier Thomas in Aktion)...
Nach den vielen Kilometer, die wir in den letzten Tage im Auto zurueckgelegt haben, war dies eine willkommene sportliche Abwechslung. Um 8.30 Uhr ging es los. Zuerst paddelten wir gegen den Strom bis zum Ende der 3. Schlucht. Auf dem Rueckweg stoppten wir an verschiedenen Stellen und suchten eine Abkuehlung in kleinen Wasserloecher und an den Sanstraenden des Flusses. Witzigerweise teilten wir uns den Fluss mit netten kleinen Krokodilen. Zum Glueck waren es nur die „harmlosen“ 2-3 m grossen Suesswassserkrokodile. Gesehen haben wir leider keines, da sie tagsueber schlafen.
Besonders beeindruckend war die 2.Schlucht. Die Felswaende fielen senkrecht ins Wasser ab und der Fluss war relativ eng.
An diesem Wasserloch, ein paar Meter von dem Fluss weg, verbrachten wir unsere Mittagspause....eine kleine Oase....
Nach der schweisstreibenden Kanufahrt ging es am naechsten Tag anstrengend weiter. Wir machten bei 35 Grad eine kleine Wanderung entlang der Felsklippe. Von "oben" wirkte die Schlucht diesmal voellig anders als vom Kanu aus, aber immernoch genauso impossant.

Auf unserer Wanderung trafen wir mal wieder ein Kanguruh. Mittlerweile eigentlich nichts besonderes mehr. Denn auf dem Campingplatz gab es etliche davon. Das eine oder andere war nicht einmal scheu und schnueffelte sorgfaelltig an jedem Zelt und jedem Auto auf der Suche nach etwas Essbarem.
Aber das Kanguruh auf der Wanderung hatte noch ein Baby ("Joey" genannt) in ihrem Beutel. Koennt ihr es erkennen. Wir waren voellig aus dem Haeusschen so etwas noch sehen zu koennen.
Von Kathrine aus fuhren wir dann ueber den Kakadu Nationalpark (separater Eintrag folgt) nach Darwin, wo wir am Donnerstagabend (13.Juni) ankamen.

1. Juni 2008

Die Reise geht weiter

Das Arbeiten hat nun endlich ein Ende, denn vorgestern hatten wir unseren letzten Arbeitstag.
;-)))
Heute geht unsere grosse Reise weiter. Wir fahren nach Alice Springs und am Montag dann weiter Richtung Norden. Wir werden euch dann hoffentlich wieder mit vielen neuen Reiseberichten begeistern koennen.

28. Mai 2008

Roadhouse Mt. Ebenezer- Leben und arbeiten im Outback

Seit dem 29. April 08 gehoeren wir wieder fuer einen Monat zum arbeitenden Volk. Eigentlich wollten wir bereits in Adelaide arbeiten. Aber da es dort nun Winter wird (d.h. kalt), entschieden wir, weiter noerdlich nach Arbeit zu suchen, denn dort ist es im Winter auch warm.
So nutzten wie die Gelegenheit, als wir beim Tanken auf dem Weg nach Alice Springs am Roadhouse Mt Ebenezer das Schild "Mitarbeiter gesucht" sahen und stellten uns vor. Spontan bekamen wir auch den Job.

Nun moechten wir euch eine kleinen Einblick in unseren Arbeitsalltag geben.


Das ist das Roadhouse Mt Ebenezer.
Benannt nach dem Ueberlandtelegraphen-Pionier Ebenezer und es gibt hier auch tatsaechlich einen kleinen Berg, der ebenfalls Mount Ebenezer heisst. Das Roadhouse befindet sich am Lasseter Highway, der direkt zum Ayers Rock fuehrt. Nach Alice Springs, der naechsten Stadt sind es 265 km und in die andere Richtung zum Ayers Rock sind es 200 km. Dazwischen gibt es nichts, wir befinden uns sozusagen mitten im Niemansland. Es gibt ein paar einzelne weitverstreute Farmen und eine Aboriginal Community 20km entfernt. Ausser Arbeiten kann man hier nicht viel machen.
Das Roadhouse besteht aus einem Hauptgebäude, in dem sich ein kleiner Souveniershop,

Verkaufsraum,


eine Gallerie mit Aboriginal Kunst (hergestellt von der Imanpa Community, siehe unten),
Restaurant und Bar befindet.

Ebenfalls gehoert zum Roadhouse noch ein kleines Motel und Backpackerzimmer, ein kleiner kostenloser Campingplatz und eine Tankstelle.


Da das Roadhouse auf der Zufahrtstrasse zum Ayers Rock ist, sind unsere Hauptkunden Touristen, die auf dem Hin- bzw Rueckweg sind. Besonders morgens halten viele Tourbusse fuer eine kleine Kaffeepause an.
Natuerlich kommen auch viele deutsche Touristen vorbei. Viele aeltere Deutsche haben grosse Muehe, sich in Englisch auszudruecken. Wenn sie dann von uns eine Antwort in deutsch bekommen, sind sie ganz happy. Manchmal stoppt ein ganzer Tourbus voller Deutsche, deren Verhalten fuer uns gelegentlich etwas peinlich ist. Typisch deutsch, es wird an allem herumkritisiert und man ist unfreundlich und ungeduldig. Naja, sind nicht alle so. Zum Glueck sind die Franzosen viel schlimmer, ganz zu schweigen von Asiaten!!!!
Aber auch viele Privatfahrzeuge stoppen hier, da das Roadhouse die billigste Tankstelle zwischen Alice Springs und Ayers Rock ist. (Benzin und Diesel: 1,95 Dollar). Ebenfalls kaufen viele Aborigines hier ihr Essen (Fastfood) ein.

Unsere Aufgabe ist
Essen (u.a. Pommes, Wuerstchen, Huehnchenschlegel, Fruehlingsroellchen, Pies, Sandwiches, Suessigkeiten, Eis, selbstgemachter Kuchen) und Getraenke (Kaffee, Tee, Softgetraenke) zu verkaufen...

Wenn das Essen knapp wird, muessen wir auch mal selbst Pommes machen...


Natuerlich ist es auch in unserer Verantwortung, dass die Regale immer aufgefuellt sind und alles sauber und ordendlich ist...
Da die Zapfsaeule nicht in Blickweite ist, ist sie abgeschlossen. So muessen wir den Kunden aufschliessen und tanken...


Tagsueber verkaufen wir Souveniers und Kunstwerke in der Gallerie

Abends bedienen wir unsere Gaeste im Restaurant bedienen und versorgen sie mit reichlich Alkohol von der Bar.

Nebenbei sind wir gleichzeitig Rezeption fuer Campingpatz und Motel.

In der Regel arbeiten wir 8,5 Stunden pro Tag. Da es hier in der Freizeit nichts zu tun gibt, arbeiten wir auch 7 Tage die Woche. Wir wollen schliesslich ordentlich Geld verdienen. Uebrigens bekommen wir 17 Dollar die Stunde (muessen natuerlich davon wieder 30% Steuern bezahlen) und Unterkunpft und Verpflegung ist auch frei. Dass heisst, wir brauchen hier keinen Cent (ausser fuer Alkohol) und sparen dadurch eine Menge Geld. Viele Touristen fragen uns, warum wir hier im Outback arbeiten. Aber keiner bedenkt, dass man hier viel mehr verdienen kann als in einer Stadt. Dort geht die Haelfte des Lohns schon alleine fuer Unterkunft und Verpflegung drauf. Ausserdem ist es schon eine interessante Erfahrung im Outback mit Aborigines als Nachbarn zu leben. Fuer einen Monat ist das ganz ok, jedoch koennten wir uns nie vorstellen, laenger hier zu leben. Unsere einzige Freizeitbeschaeftigung neben arbeiten ist momentan lesen und die DVDs von unserem Shop anzuschauen.

Allgemein arbeiten im Roadhouse 14 Leute, davon sind ein kleiner Teil Backpacker, die staendig wechseln. Der Rest sind Australier, die fest angestellt sind. Die Festangestellten sind alles irgendwie schraege Voegel, wer sonst wuerde hier im Niemansland laenger bleiben. Alle sind schon ueber 50 Jahre, mehrmals verheiratet gewesen, Kinder irgendwo in Australien oder der Welt und ihre Freizeitbeschaeftigung ist in der Bar sitzen und Alkohol trinken. Die meisten sind aber super nett.
Das ist so ein typisch durchgeknallter Outbacktyp, Kevin (das Bild spricht doch schon fuer sich..)

Das ist uebrigens unsere Zuhause fuer diesen Monat. Das Zimmer ganz hinten in der Ecke ist unseres. Das Zimmer ist nicht wirklich gross, der Platz reicht gerade mal fuer TV, Kuehlschrank, Schrank und ein Bett.

Gelegentlich halten auch einige Truck-fahrer fuer eine kurze Kaffeepause an. Bei einem dieser Stopps konnten wir endlich mal einen Roadtrain richtig fotographieren. Normalerweise gibt es diese auch mit 4 Anhaenger und diese duesen mit ueber 100 km ueber den Highway. Wenn es kein Speedlimit gibt, koennen diese 115tonnen schweren bis zu 50 m langen Trucks (mit bis zu 60 Raedern )bis zu 180km fahren. Da moechte ich mit unserem kleine Van nicht im Weg sein.

Wir werden hier jeden Abend mit einem herrlichen Outback- Sonnenuntergang belohnt.


Imanpa Community
Ca. 20km vom Roadhouse entfernt mitten in der Pampa ist das Aborigines-Dorf Imanpa. In dieser Gemeinde leben etwa 120 Aboriginal. Jedoch sind nicht alle immer anwesend, da viele Aboriginals immer noch ein normadenhaftes Leben fuehren und von Community zu Community ziehen . Wir hatten die Gelegenheit das Dorf zu besuchen. Auf den ersten Blick ein kleines normales Dorf mit kleinen einfachen Haeusern. Auffallend bei genauerer Betrachtung ist, dass ueberall Muell rumliegt. Das ganze Dorf ist eine einzige Muellhalde. Es liegt nicht nur Haushaltsmuell herum, sondern auch alles andere Ausrangierte von Elektorgeraeten bis zu kaputten Autos.
Von Umweltschutz geschweige dem von Recyling haben die Bewohner noch nie was gehoert (uebrigens, das Roadhouse auch nicht, denn der Muell wird einfach hinter dem Gebaeude vergraben). Man sieht, dass sie nicht gewohnt sind, mit „unseren“ Konsumguetern umzugehen, denn alles was sie besitzen, ist gleich kaputt.

In der Community gibt es eine Schule. Jedoch erzaehlte uns der Lehrer, dass die Kinder diese nicht regelmaessig besuchen. Manchmal kommt niemand zum Unterricht. Echt frustrierend fuer den Lehrer und auch langweilig. Vielen Aborigines ist die Bedeutung einer guten Schulausbildung nicht bewusst und legen daher keinen Wert auf regelmaessigen Schulbesuch. In der Community gibt es ebenfalls einen kleinen Shop, der Lebensmittel und Dinge fuer den taeglichen Bedarf verkauft. Eine kleine Polizeistation mit 2 Beamten gibt es auch. Und schliesslich ist dort noch eine kleine Krankenstation mit einer Krankenschwester. In regelmaessigen Abstaenden kommt auch ein Arzt in die Krankenstation. Alle Mitarbeiter in diesen Einrichtungen sind Weisse!

Der Gemeide gehoert das gesamte Land auf dem sie sich befindet sowie die umliegende Gegend. Unter anderem auch das Grundstueck, auf dem das Roadhouse ist. Somit ist die Communtiy auch der offizielle Besitzer des Roadhouses. Jedoch ist es fuer die Aboriginal unmoeglich, das Roadhouse selbst zu verwalten und darum wurde unsere Boss als Manager eingesetzt.
Hier unsere Boss Normen bei seiner Lieblingsbeschaeftigung, dem Geldzaehlen.

Die Community verwaltet sich selbst wie eine normale Gemeinde. Es gibt einen Rat (vergleichbar mit unserer Gemeiderat), der Regeln fuer das Zusammenleben erlaesst. Eine von der Community aufgestellt Regel, betrifft das Roadhouse. Denn jeder Erwachsene der Community darf in der Zeit von 17 bis 19 Uhr taeglich 4 Dosen Bier (16 Dollar) kaufen. Dazu muss derjenige persoenlich erschienen. Wir haben eine Liste aller Aborigines, die Bier kaufen duerfen. Wenn jemand das Dorf fuer eine gewisse Zeit verlaesst, wird er von der Liste genommen, damit andere nicht in dessen Namen Bier kaufen koennen. Ebenfalls kann ein Aborigine als disziplinarische Sanktion von der Polizei von der Liste genommen werden. Fuer uns bedeutet das, dass jeden Tag um 17 Uhr die Aborigines vom Dorf kommen, um ihr Bier zu kaufen. Um kurz vor 17 Uhr reihen sich alle vor der Kasse auf, beobachten die Uhr und warte ungeduldig auf das Bier...

Bevor sie jedoch Bier kaufen, brauchen sie Geld. Darum verkaufen sie ihre Handwerksarbeiten an das Roadhouse, die dann in der wiederum Galerie verkauft werden. Frauen malen Bilder und stellen kleine Holztiere (z.B. Lizards, Fische oder Voegel) her. Sie sind ganz stolz auf ihre Prdukte und freuen sich riesig ueber Komplimente.
Maenner machen hauptsaechlich Boomerangs. (Auf dem Foto sind sie gerade beim "Footy" schauen im Fernseher!)

Diese Verkaeufe sind wichtige Einnahmequellen fuer viele Aborigines. Einige haben einen Job in der Gemeinde. Ein paar Frauen sind sogar im Roadhouse angestellt. Sie arbeiten in der Gallerie und bekommen den gleichen Lohn wie wir. Jedoch erhalten alle finazielle Unterstuetzung vom Staat (eine Art Sozialhilfe). Einige bekommen dies unter anderem auch in Form von Gutscheinen fuer Benzin oder Lebensmittel, die sie hier im Roadhouse einloesen koennen.

Fuer uns ist der Konakt zu den Aborigines eine total interessante Erfahrung. Als Tourist sieht man oft nur die von den Community verstossenen, die in den Staedten rumhaengen, trinken und auch teils etwas aggressiver sind. Diese wirken meist ziemlich angsteinfloessend. Hier koennen wir die Aborigines jedoch von der andern Seite kennenlernen. Sie haben zwar eine recht raue Umgangsform, sind aber alle sehr nett und umgaenglich. Von Aggressivitaet kann man hier ueberhaupt nichts spueren. Ausserdem sind sie sehr selten betrunken. Oft erinnert ihr Verhalten an eine Horde kleiner Kinder, die alle als erstes dran kommen wollen. Man kann gut mit ihnen Scherze machen. Meist kann man einfach nur ueber ihr Verhalten schmunzeln. Wenn sie abends mit den Autos vorfahren, ist es jedes Mal erstaunlich, wieviele Erwachsene und Kinder in ein Auto passen. Es kann auch schon mal sein, dass das Auto keine Scheibe mehr hat,nicht zugelassen ist oder zum Starten die Moterhaube geoeffnet wird und das Auto direkt am Motor gestartet wird. Hauptsache das Auto faehrt. Wenn man dann ins Gefaengnis muss, beeindruckt dies niemand. Leider nehmen es die Aborigines mit der Hygiene auch nicht so genau. Manche stinken schrecklich, tragen taeglich die gleichen Kleider und sind voellig verschmutzt. Dies trifft natuerlich auch fuer die Kinder zu. Die Kleinen sind super suess, sind aber im ganzen Gesicht schrecklich verschmiert und riechen ebenfalls.
Die meisten Aborigines tragen keine Schuhe und laufen nur barfuss. Auffallend ist, dass Aborigines, die gut Englisch sprechen und eine bessere Bildung haben, ordentlich gekleidet sind und auch nicht stinken. Oft kommen die Aborgines schon etwas vor 17 Uhr zum Roadhouse (die meisten koenne die Uhr nicht lesen und fragen wie Kinder staendig: „Wie lange noch bis zur Bierzeit?“). Um die Zeit schneller zu ueberbruecken, spielen sie leidenschaftlich Karten. Ein Aussenstehender kann keine Regeln erkennen, aber es gibt ganz klare. Dazu essen sie bevorzugt Fettiges, was sich auch deutlich an ihrere Koerperform sichtbar macht.

Das ist Michael Bulla, ein ganz spezieller Freund des Hauses. Man sagt ihm nach er sehe ein bisschen aus wie "Papa-Schlumpf", nur in Schwarz. Er haengt oft den ganzen Nachmittag am Roadhouse rum, fraegt stuendlich nach der Zeit und geht uns oft auf die Nerven. (Zuerst kommt er rein und will eine leere grosse Dose, 10 min spaeter kommt er wieder und will heisses Wasser fuer die Dose, nochmal 10 min spaeter kommt er erneut und will Teebeutel, und nochmal 10 min spaeter will er dann noch Becher, natuerlich alles umsonst....was er damit wohl vor hat. ;-))

Leider bekommen wir auch mit, dass die Aborigines langsam ihre Traditionen verlieren. Zum Beispiel koennen nur noch die aelteren Maenner der Community Boomerange herstellen. Es stimmt uns schon traurig, wenn wir an ihre Lebenssituation denken. Es ist fuer sie unmoeglich ihr altes traditionelles Leben zu fuehren. Jedoch koennen sie von heute auf morgen sich auch nicht so schnell in die westliche Kultur einfinden. Momentan gibt es keinen richtigen Platz fuer sie. Ausserdem geht so viel wertvolles Wissen verloren, dass wir Weissen eigentlich auch gut nutzen koennten. Es ist echt erstaunlich, wenn man bedenkt, dass sie hier in einer so unwirtschaftlichen Gegend ueber Jahrtausende ueberleben konnten.
Die Regierung versucht zwar mit hohem finanziellen Aufwand sie in die Gesellschaft einzugliedern, jedoch scheitert dies, da zum einen der richtige Zugang und das Verstaendnis fehlt. Zum anderen ist das Zusammenleben immernoch sehr von beidseitigen Vorurteilen gepraegt. Viele Australier haben eine Wut auf die Aborigenes, da sie mittlerweile viel staatliche Unterstuetzung (Steuergelder) bekommen, im Gegenzug jedoch nicht arbeiten und mit dem Geld nur Alkohol kaufen. Die Aborigenes hegen wiederum immernoch Groll auf die Weissen, da sie ihnen das Land und letztlich auch ihre Tradition weggenommen haben. Es wird noch lange Zeit brauchen bis sich beide Seite annaehern.

Wir haben am 30. Mai 08 unseren letzten Arbeitstag. Die Zeit ist wiedermal wie im Flug vergangen. Die Arbeit hat uns sehr viel Spass gemacht. Wir haben neben den Aborigines auch viele interessante Touristen aus der ganzen Welt kennengelernt, die auf die ungewoehnlichste Art (z.B. Fahrrad, Motorrad oder Boot) nach Australien gekommen sind. Witzigerweise waren auch ein paar von Offenburg, Kappel und Ichenheim (fuer alle nicht Friesenheimer, das ist gerade ein paar Kilometer von unserem Heimatort entfernt) dabei. Aber nach der ganzen Outback-Einsamkeit freuen wir uns schon wieder auf ein wenig Zivilisation. Als naechstes werden wir wieder nach Alice Springs gehen und dann weiter Richtung Norden nach Darwin zu den Krokodilen.